Korg Kaossilator ProDa ist er also, der Kaossilator Pro.  Der lang gewünschte, große Bruder des von uns so geschätzten KP-Mini oder, farblich betrachtet, ein Kaosspad in grün.



Wo liegen aber eigentlich die Unterschiede zwichen Kaosspad und Kaossilator? 
Eine kurze History:  Zuerst war da das Kaosspad. Ein Effektgerät von Korg, welches sich besonders durch eine innovative Steuerung, über ein berührungsempfindliches X/Y Pad, auszeichnete. Wo man am klassischen Effektgerät meist zwei Hände braucht, um ein Signal zu modulieren, genügt beim Kaosspad ein Finger. Und den hat sogar ein DJ frei. Zudem war das Teil, aufgrund seines „Tabletop-Formats“ gut im DJ-Setup zu platzieren. Damit war der Weg frei in die Herzen der uns maßgeblich tangierenden Zielgruppe.
KAOSS Family
Das Kaosspad durchlief verschiedene Versionsstufen, verbunden jeweils mit einer Erweiterung des Funktionsumfanges und einer Verbesserung der Bedienbarkeit. Die aktuelle Version des Kaosspads ist das KP3, zudem gibt es noch eine kleine, batteriegespeiste Variante, das KP-Mini, Farbgebung: rot. Klein und batteriegespeist war auch der Kaossilator, Farbgebung: gelb, sozusagen der direkte Vorfahre des hier getesteten Gerätes. Im Gegensatz zum Kaosspad ist der Kaossilator aber kein Effektgerät (abgesehen vom Vocoderpart), sondern ein Synthesizer. Wo bei dem einen also ein zugeführtes Signal verfremdet ausgegeben wird, erzeugt der andere eigene Klänge. Um es am Beispiel einer Band zu bebildern: der eine steht auf der Bühne und erzeugt einen Klang, der andere davor an der Technik und beeinflusst den Klang.

Anschlüsse
Der Kaossilator Pro bringt frontseitig einen regelbaren Mikrofoneingang (Klinke) und einen ebenfalls regelbaren Kopfhörerausgang mit. Dazu findet sich hier auch ein Slot für eine SD-Card. Auf dieser lassen sich Phrasen und Einstellungen speichern.
KFront n Back
Auf der Rückseite gibt es je einen Ein- und einen Ausgang, jeweils als Cinch, ein MIDI Duo sowie ein USB-Anschluß, zur Verbindung mit einem Computer. Spannungsversorgung erfolgt über ein mitgeliefertes Netzteil.

Sound & Steuerung
Grundlage der Arbeit mit dem Kaossilator bilden 200 Sounds, die intern gespeichert sind. Unterteilt sind diese in Chords (Akkorde), Leads (Einzelstimmen), Acoustic (Instrumente), Bass, Special Effekts, Drums (einzeln), Patterns (Drumloops) und Vocoder (Effekte). Die Sounds werden über ein kleines Drehrad angewählt, acht Lieblingssounds können auf ebensovielen „Schnellwahltasten“ abgelegt werden.

Die Funktionen „Scale“ und „Key“ erlauben ein verändern der Tonfolge und des Grundtons. Damit kann man das „Instrument“ stimmen, von Hause aus auf C, ionisch – wie die weißen Tasten eines Klaviers. Aber wie spielt man ohne Tasten?
Pad
Mittels Finger bewegt man sich auf einem Touchpad mit 8 mal 8 Feldern. In der horizontalen Bewegung ändert man die Tonhöhe (z.B. C-D-E-F-G-A-B-C), in der vertikalen Bewegung beeinflusst man die Filterfrequenz, die Rückkopplung oder die Modulationsintensität. Das jeweils aktive Feld wird visuallisiert.  Neben dem, generell größeren, Touchpad, ist dies ein weiterer Vorteil, im Vergleich zum kleinen Kaossilator. Über einen Schieberegler bringt ein „Gate Arpeggiator“ weitere Abwechslung ins tonale Schaffen. Im Prinzip wird mit dieser Funktion mehrmaliges Berühren des Touchpads simuliert. Durch einen kleinen Umschalter kann man den Arpeggiator auf Time oder Speed einstellen, also entweder die Notendauer oder deren Geschwindigkeit beeinflussen.

Tempo & Halten
Um mit einer externen Quelle synchron zu spielen, kann man die BPM tappen oder (sofern bekannt) per Anwahlrad einstellen. Der Kaossilator kann aber auch per externer MIDI-Clock gesteuert werden. Etwas versteckt ist die „Hold“ Funktion. Hierzu muss man den „Shift“ Button aktivieren und ein Feld auf dem Pad berühren. Dann schaltet sich der Kaossilator in Dauerwiedergabe und man kann den Finger zur Formung des Gangzeichens “KP” (Kaossilator Pro) nutzen.

Vocoder & Effekte
Neben den Grundfunktionen überrascht der grüne Geselle mit einigen netten Gimmicks. Zum Beispiel einem kleinen Part mit Effekten. Hier hat der Kaossilator also doch etwas vom Kaosspad mitbekommen (wie dieses wiederum neben den Effekten auch einige Sounds bietet). Diese Effekte lassen sich auf ein externes Signal anwenden, wahlweise Line In oder Mikro. Volumen des Eingangssignals und Effektintensität können jeweils gesteuert werden. Zehn der Effekte zielen auf das Mikrofon, Stichwort Vocoder – sehr unterhaltsam. Die anderen fünf sind Klassiker wie Delay, Pitch oder Filter und vertragen sich  auch mit einer Line-Quelle.

Sampler
Kommen wir zum kleinen Highlight, dem Loop Recorder. Oder zur Schleifenaufnahme, wie sich das Manual auszudrücken weiß. Süß und bitter zugleich. Süß, weil ungemein bereichernd, bitter, da die Funktion und die Loopdauer arg begrenzt sind. Das erinnert an das Anfüttern eines Dopedealers. Der hat aber immer mehr, beim Kaossilator Pro ist nach maximal 16 Beats die Runde rum. Ein Kaossilator ist nun mal kein Squenzer und bevor Tränen kullern, eine kurze Erklärung des süßen Parts.
Zur Verfügung stehen vier Samplebänke, die neben internen Sounds auch mit einem externen Signal belegt werden können. Um das gut hinzubekommen, sollte man das Tempo beachten, welches zugleich auch über die maximal mögliche Looplänge entscheidet. Höchstgrenze sind, bei über 108,5BPM, 16 Taktschläge. Ein Wehrmutstropfen. Ein weiterer ist, dass man beim loopen eines Sounds immer auf Anfangs- und Endpunkt achten muss, da sonst das Loop doppelt belegt wird. Das ist zwar mitunter gewollt, um einer Samplebank weiter Sounds zuzufügen, könnte aber besser gelöst sein. Die Länge eines Loops kann bis zum 64stel verkürzt und das Tempo kann während der Wiedergabe geändert werden. Über das Pad kann man auch die Lautstärke der Samplebänke anpassen. Wo Aufnahme ist, ist löschen nicht weit. Tilgen kann man entweder ein ganzes Loop oder Teile von diesem. Leider gibt es keine Undofunktion, welche nur die letzte Aufnahme beseitigt und auch ein editieren der Aufnahme ist nicht möglich. Somit wird das Unterfangen von einer Livequelle zu samplen zum Glücksspiel.

Speichern, Datenaustausch und Editor
Da der Kaossilator ein Vergesslicher ist, für welchen mit jedem Einschalten das Leben neu beginnt, gibt es die Möglichkeit Einstellungen oder gelungene Passagen auf SD-Card zu speichern bzw. von da zu laden. Bearbeiten kann man diese Aufnahmen mit einem Editor, der anders als verkündet nicht im Lieferumfang, sondern auf der Korg-Seite zu finden ist. Einfacher, dafür aber deutlich langsamer, ist eine Übertragung über USB. Hier kann man am Rechner Samples, Loops oder diverse Einstellungen vorbereiten und den Kaossilator damit beschicken. Super Ansatz, wo man schnell auf den Geschmack und, durch die vier Samplebänke, noch schneller ans Ende kommt. Die Abteilung „Loop Recorder“ dürfte gern ausgebaut werden, damit würde sicher auch das Arrangement eines live zusammen gezimmerten Tracks vielfältiger.

MIDI
Der Kaossilator lässt sich in beide Richtungen, per USB/MIDI oder klassischer MIDI Buchse, mit anderen MIDI-Geräten verbinden. Somit kann man das Teil als Controller für andere Soundquellen oder Software (Synthesizer) nutzen bzw. die Sounds des Kaossilator mit einem anderen MIDI-Controller ansteuern oder synchronisieren.

Praxis & Fazit
Kann man ganz kurz sagen. Einmal angefasst, festgeklebt.

Spaßfaktor 99,4%, also eigentlich fast ein Volltreffer. Denn was ich am meisten vermisse ist mehr von allem. Mehr und auch eigene Sounds, längere Loopdauer, mehr Loop Bänke, mehr Arrangementmöglichkeiten. Und vielleicht noch einen Phono-Eingang, wie ihn selbst das Kaosspad 1 hatte.
Einzige wunderliche Sache, die mir auffiel: Wenn man auf dem Pad spielt und das Loop einer Sample Bank zuschalten will, geht das. Wenn man dann dieses Loop wieder ausschalten will, geht das nicht, dafür wird auf der betreffenden Bank aufgenommen – und zwar auch ohne aktiven REC-Button. Bug oder Feature? Sonst aber (m)eine uneingeschränkte Empfehlung!

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Videoquelle: Korg Japan