NI MASCHINE im Test
Controller, DJ-Tools, Reviews Juli 25th, 2009
“Teste mal die Maschine und schreib was”, wurde mir gesagt… Mir! Ausgerechnet mir, der mit Producing soviel am Hut hat wie Bananenweizen mit Bierkultur! Ein Bericht von Floh
Aber trotz allem, oder auch vielleicht gerade deswegen denke ich, ein aussagekräftiges Review bieten zu können. Und zwar voll und ganz aus der Sicht eines Producing-NoObs
Denn, um ein kleines Teilfazit schonmal vorweg zu nehmen, für eben diese Leute ist Maschine wie gemacht.
Maschine per Wiki-Definition:
Maschinen werden von Menschen als technische Arbeits- bzw. Hilfsmittel vor allem für mechanische Einwirkung verwendet. Dabei steht der Energie- und/oder Stofffluss im Vordergrund. (…)
Dies erfüllt Maschine in vollem Umfang. Mit diesem mehr als hilfreichen Hilfsmittel erarbeitet man sich fast wie von selbst die Arbeit, die nötig ist, um einen energetischen Energiefluss zu erzeugen. Und der steht dann garantiert im Vordergrund, je lauter desto vordergründiger!
Die Maschinen-Elemente:
Der Controller ist ein kleiner optischer Leckerbissen in feinem, gebürstetem schwarzen Gewand, welches Fettfinger leider nur sehr widerstrebend verzeiht. Die gummierten Knobs und Drumpads haben einen prägnanten Druckpunkt und leuchten & blinken wie ein dezent illuminierter Weihnachtsbaum. Dies dient aber weniger der optischen Belustigung, sondern gibt Feedback über den Funktionsstatus. Anhand der beiden Displays, die eine Hintergrundbeleuchtung haben und deren Kontrast & Helligkeit sich separat regeln lassen, erhält der User auch alle sonst relevanten Daten, und nach kurzer Eingewöhnung erspart sich somit mehr und mehr der Blick auf den Monitor. Sämtliche Bedienelemente wirken absolut robust und road-tauglich, wie auch das Gehäuse selbst. Ein strukturiertes Layout läßt die Finger intuitiv ihr gewünschtes Ziel finden. Weiterhin gibt es auch keinen großen Kabelsalat, denn Maschine gibt sich mit einer USB-Verbindung zufrieden. Für die MIDI-Musikanten seien noch die beiden MIDI-DIN-Buchsen erwähnt.
Maschine ist Maschine, Maschine ist Programm

Denkt man beim Begriff Maschine doch zwangsläufig an ein Gerät, so hat man jedoch nur die halbe Wahrheit erkannt. Denn auch das mitgelieferte Programm heißt Maschine. Und obwohl wir hier von Software sprechen, ist sie nicht weniger Arbeits- und Hilfsmittel, als der Controller. Im Gegenteil: sie ist das Herz, der Motor, die Seele. Ohne Software macht die Kiste keinen Mucks, kann jedoch als waschechter MIDI-Controller mißbraucht werden.
Die Applikation Maschine ist im Grunde genommen ein mehr oder weniger komplettes Studio. Auf den ersten Blick gibt es nichts, was man vermissen könnte, da man erstmal alles finden muss, was sich einem bietet. Und geboten wird hier viel! Wirklich viel! Zahllose Soundsamples für alle erdenklichen Situationen, massig Instrumente und auch ganze (Artist-)Kits, die bereits mit fertigen Arrangements aufwarten und somit einen guten ersten Eindruck vom Klangspektrum geben. Wie zu Beginn erwähnt kann ich hier nur aus der Sicht eines Produktions-Neulings sprechen, aber ich fand mich sehr schnell zurecht und hatte binnen kurzer Zeit mein erstes eigenes Drum-Pattern zusammengefrickelt. Über das Manual bekam ich auch schnell eine Ahnung von Stufe-2 Funktionen, die sich zu Beginn nicht ganz so intuitiv erschlossen haben. Aber auch mit Try&Error kann man sich recht bequem immer tiefer bis zum Getriebe vorarbeiten.
Leider kann ich keinen relvanten Vergleich zu anderen Producing-Tools ziehen. Aber ich war begeistert und fasziniert von der Masse an Klängen und Funktionen. Und bevor man all diese nicht bis zum Letzten ausgereizt hat, wird einem sicher nicht langweilig werden. Und das kann, nein das WIRD ne ziemliche Zeit dauern.
Eine Maschine bedient man mit einer Maschine
Hä?? Ganz einfach: Des Herstellers Gedanke ist, und so steht es auch gleich auf einer der ersten Seiten im Manual, die Software ausschließlich mittels Controller zu bedienen. Und das klappt wirklich. Ist man zu Beginn noch eher gewohnheitsbedingt dazu geneigt, die Mouse über den Tisch zu schubsen, wird man in der darauffolgenden Zeit ganz automatisch mehr und mehr darauf verzichten. Alles, was auf dem Bildschirm passiert, sieht man auch auf dem Controller. Hierfür sind die beiden Displays und all die leuchtenden Blinkeknöppe gedacht. Und je mehr und öfter man den kleinen Nager im Nest läßt, desto intuitiver kloppt man auf der Kiste ein komplettes Arrangement zusammen, mitunter sogar ohne auch nur ein einziges Mal auf den Monitor zu starren. Dies ist v.a. im Hinblick auf die Bühnenpräsenz ein fetter Pluspunkt, kann man so doch den Läppi irgendwo an die Seite stellen und die vielen tanzenden Menschleins beobachten. Andererseits ist es aber ebenso möglich, gänzlich auf den Controller zu verzichten, z.B. unterwegs, ausgestattet mit Läppi und Heady im Zug, im Bus, im Park, im Freibad oder am See, völlig egal… Die Hardware erfüllt jedenfalls keine Dongle-Funktion, ohne die sich das Tool nicht starten ließe.
Maschinenbau studieren @home
Das Grundprinzip einer Hochschule ist ja bekanntlich das eigenständige Aneignen neuer Fähigkeiten. Der Prof dient dabei lediglich als Mentor, der einem den Weg weist – gehen muss man ihn ganz alleine. In unserem Fall erfüllt das Manual die Dozentenrolle, lernen und üben bleibt uns selbst überlassen. Aber mal ehrlich: wer könnte ein so cooles Studium ablehnen wollen?!
Der Lernprozess ist jedenfalls ein sehr angenehmer und schon die ersten Resultate machen Lust auf mehr. Man taucht wie von selbst immer tiefer in die Materie, will mehr, kann mehr, will noch mehr und kann noch mehr… Das einzige, was einem Grenzen aufzeigt, ist die individuelle Kreativität, die sich jedoch ebenfalls mehr und mehr expandiert. Wie schon erwähnt bietet Maschine alles, was man benötigt. Und wer mehr benötigt, weiss auf jeden Fall bereits, was er/sie tut. Wer das (noch) nicht weiss, probiert einfach so lange rum, bis er/sie es weiss, und hat währenddessen mächtig Spass. Es bieten sich einem zahllose Variationen, Funktionen und Möglichkeiten, den Sound zu verbiegen, zerstückeln, zu fusionieren, filtern, swingen. Wie von einer höheren Macht gelenkt driftet man mehr und mehr von dem ab, was man eigentlich geplant hatte und betritt ganz neue Akustikareale, baut drauf auf und landet letztendlich wieder genau da, wo man hinwollte, auch wenn man nun ganz wo anders ist. Aber hier ist’s auch schön, warum also nicht ein wenig länger bleiben?!
Hauptuntersuchung
Die TÜV-Plakette gibt’s ohne Mängel! Maschine hat in allen Disziplinen hervorragend abgeschnitten. So jedenfalls mein Urteil als Prüf-Neuling auf dem Gebiet der Produktions- und Performing-Gerätschaften.
Wie schon zu Beginn angesprochen ist in meinen Augen Maschine DAS perfekte Einsteiger-Tool, was nun aber nicht heißen soll, daß der alte Hase im Geschäft keinen Spaß dran hätte. Doch gerade für die Fahranfänger unter uns beinhaltet das Gesamtpaket wirklich ein Gesamtpaket, mit dem man erstmal ne gute Weile versorgt ist. Soft- & Hardware sind zudem unheimlich vielfältig nutzbar, sei es als MIDI-Controller, sei es als Composer für nen kurzen Drum-Loop, der als Audiofile exportiert und z.B. mit Traktor abgefeuert wird, oder sei es eben gleich ein kompletter Live-Act. Alles ist möglich. Das macht die Geschichte so sympathisch und den Anschaffungspreis absolut gerechtfertigt. Langeweile sollte hier so schnell keine aufkommen. Im Gegenteil: mit Maschine kann man die Langeweile mal eben aus der Bude treiben! Samstag abend, keine Party und keiner erreichbar? Kein Thema: Maschine anschmeissen und rocken – ehe man das nächste Mal aus’m Fenster guckt, steht die gelbe Kugel schon wieder über den Dächern und man weiß nicht, wo die letzten 6 Stunden geblieben sind. Man weiß nur, es war gut – verdammt gut ![]()
Ich bin schwer angetan und hab Maschinenöl geleckt, der Gedanke zirkelt seitdem wie eine Spirale um den Kauf. Bis dahin hab ich mich nie wirklich ernsthaft mit Prodzieren beschäftigt, aber nun hat sich die Lage vollkommen geändert. Es macht mit Maschine einfach zuviel spass. Ich muß mich nicht erst groß in irgendwelche Tutorials einlesen, sondern kann drauf los jammen, muß mir nicht erst mühevoll ne brauchbare Sample-Library zusammensuchen, sondern kann aus 1000en Sounds (die wirklich spitze klingen) wählen, muß mir nicht erst noch nen Controller kaufen, sondern hab alles was ich brauch schon auf’m Tisch stehen, muß mich nicht erst noch mit Live-Equipment ausstaffieren, sondern krall mir einfach Läppi und Maschine und ab geht er… Mein Tipp an alle, die Lust auf “mehr” haben, als “nur” aufzulegen: holt euch das Ding und testet es mal an. Es lohnt sich wirklich!
Wer jetzt noch auf Soundsamples aus dem Test hofft, den muß ich leider enttäuschen. Mir hat’s zwar wirklich viel Spaß gemacht, aber öffentlichkeitstauglich waren meine kreativen Ergüsse dann doch nicht unbedingt – was aber nix mit Maschine zu tun hat, sondern eben daran, daß es meine ersten Gehversuche auf neuem Terrain waren. Ich könnt jedoch gerne alle meine neue Platte kaufen, die demnächst (in nem Jahr oder so) veröffentlicht wird – natürlich produziert mit NI Maschine…
Text: Floh Baerlin
Bilder statt Worte.
Maschine Tutorials bei Youbube.
Produktseite bei Native Instruments
Wollen kaufen Maschine?






Juli 25th, 2009 at 4:05 pm
danke für den test
Juli 25th, 2009 at 6:35 pm
ah mist, wieder was, was ich gern hätte und mir momentan leider nicht leisten kann. danke für den test!
Juli 27th, 2009 at 3:24 pm
Ganz unterhaltsames Review geworden, schön bunt, aber wenig fachliches. Frag mich ob nur Loops gebaut wurden oder wirklich komplette Tracks. Hätte mir Tipps zum Arranger erhofft. Ausserdem fehlt mir eine genauere Erklärung zu Scenes, Groups, Patterns, usw.
Hab ja schon auf den Workshop in der Beat gehofft, aber die steigen einfach mal von 0 auf 100 bei den Effekten ein.
Ein Grundkurs wäre da besser gewesen. Der Arrager ist ein grosses Minus. Daher ist Maschine noch nicht 100% stand-alone-fähig.
Trotzdem ist Maschine eine absolute Bombe. Muss nur die Software mal etwas optimiert werden. Bis dahin kann man mit eigenen Tricks arbeiten. Mich kostet Maschine täglich ein Paar Stunden meiner Zeit. Der Einstieg und erste Spielereien machen riesigen Spaß. Wenn es dann darum geht komplette Tracks mit verschiedenen Scenes (kann man als Sequences sehen) zu erstellen und zu arrangieren, Spuren zu kopieren, etc. dann wirds im Moment noch sehr haarig.
Ein Minus auch dafür, dass im gedruckten Handbuch viel fehlt, aber auch die umfangreichere PDF-Version nicht alle Fragen beantwortet.
Das Gesamtkonzept hat auf jeden Fall etwas und rockt!
Mir geht kein Speicherplatz mehr aus wie bei MPC, SP & Co., ausserdem kann man Maschine anwerfen und sofort loslegen.
Juli 27th, 2009 at 11:14 pm
@Micha: dein Einwand ist begründet. Jedoch hab ich bereits zu Beginn des Tests versucht, mich aus der Schlinge zu ziehen
Wie gesagt, ich bin absolut kein Producer, und aus eben dieser Sicht ist der Test entstanden… Ich könnt mir aber gut vorstellen, mit Maschine ein wenig tiefer in die Sache einzutauchen, denn auch wenn ich null Plan hab: Spass gemacht hat’s trotzdem
Und eines sei versprochen: der nächste Test von mir ist wieder ein wenig “professioneller”, da es sich dabei erneut um einen DJ-Controller handelt. Und da hab ich 100mal mehr Ahnung von als vom Producen.
Freut mich aber trotzdem, dass es wenigstens unterhaltsam war. Dann hab ich ja trotz fehlender Fachkenntnis ein wenig was erreichen können.
Juli 29th, 2009 at 12:04 am
Man bekommt auf jeden Fall Lust auf das Ding.
Ich hab nur noch immer ungelöste Fragen
Hab mich auch vor dem Review gedrückt, weil ich die Kiste noch immer nicht 100% in Griff habe.