DVSUnter dem gemeinsamen Kürzel DVS sorgen seit etlichen Jahren Programme wie Final Scratch oder Serato für einen Umschwung in der DJ-Landschaft. Wir erklären wie was und vor allem was aktuell geht. 

 

 

Immer wieder erreichen uns Fragen a la „Warum ist Torq nur halb so teuer wie Serato?“, „Kann ich mit einem Timecodevinyl und meine Traktor Crack MP3s abspielen?“ „Brauch ich für Mixvibes eine speziell Soundkarte?“ oder „Wie kommen die MP3 auf das Vinyl?“. Es ist also mal an der Zeit die Antworten zu bündeln und einen Überblick für Einsteiger zu geben.

Ein kurzer Blick zurück und auf das Prinzip
DVS Prinzip
Ende der neunziger Jahre entwickelte die holländische Firma N2IT ein Verfahren, welches es möglich machte, MP3s auf einem Rechner durch Schallplatten zu steuern. Auf diesen speziellen Platten, den sogenannten Timecode-Vinyls, befand und befindet sich, noch immer, ein Steuersignal. Dieses Signal, im Prinzip ein Dauerton im Mittenfrequenzbereich, wird vom Plattenspieler über eine Soundkarte an den Rechner geleitet. In der Software, die auf diesem Rechner läuft wird das Signal ausgewertet und jede Handlung an der Schallplatte (anschieben, abbremsen, scratchen etc) wird auf eine, in der Software laufende, Audiodatei (MP3, Wav, etc) übertragen. Die Klangausgabe dieses Audiofiles vom Rechner erfolgt über die Soundkarte direkt zum Mixer. Hier kann man nun, wie von normalen Platten gewohnt, mit diesem Track arbeiten. Man dreht am Vinyl, der Sound kommt vom Rechner.
Final Scratch 1.x
Frühe Versionen diese Programms, welches im übrigen FINAL SCRATCH (FS) hieß, liefen nur auf speziellen Betriebsystemen und waren alles andere als erschwinglich. Mit Version 1.1 stiegen Stanton (für die Hardware) und Native Instruments (für die Software) ins Boot. Zu dieser Zeit konnte man FS immerhin schon auf MacOS nutzen, erst mit Version 1.5 kam, etwa 2004, die Möglichkeit dazu das Programm auch auf einem Windowsrechner zu nutzen. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Andere Hersteller brachten Programme, neue Features in diesen Programmen bereicherten das DJ-Set, Notebooks wurden preiswerter, DJ-Pools stellten die Bemusterung auf MP3 um und endlich gab es ernstzunehmende Downloadportale. Alles Gründe, die dazu führten das immer mehr DJs digitale Vinylsystem nutzen.

Stand Mitte Zweitausendundacht
DVS Auswahl
Aus der Vielzahl von System, die im Laufe der letzten Jahre an den Start gingen, stechen im Prinzip vier heraus. Der etwaige Virtual Vinyl, Ms Pinky oder Digiscratch User möge mich tadeln, aber nach unserer Erfahrung konzentriert man sich aktuell auf die Programme Serato Scratch Live (SSL), Traktor Scratch (TS), M-Audio Torq/Conectiv (Torq) und Mixvibes (MV). Auf diese vier soll sich dieser Guide konzentrieren.

Grundlagen DJ-Setup
DJ Set
Um stressfrei mit Digitalen Vinylsystemen zu arbeiten sollte man schon im Vorfeld einiges beachten. Zunächst benötigt man, je nachdem ob man den Timecode auf Vinyl oder CD einsetzen möchte, die entsprechenden Player. Ob das nun die Klassiker Technics bzw. Pioneer CDJ sind oder ein preiswerter Nachbau ist erstmal nebensächlich. Euch sollte nur klar sein, dass es sich mit einem riemengetrieben Billigplattenspieler generell (also auch bei normalem Vinyl) nicht so gut arbeiten lässt, wie mit einem 1210er. Aber jeder Plattenspieler macht das was er soll, er überträgt das Timecodesignal. Wenn man es genau nimmt überträgt aber nicht der Player, sondern der Tonabnehmer. Auch hier ist das Angebot riesig und es gilt: Egal ob Ortofon, Stanton, Numark oder Shure, erlaubt ist was gefällt. Preislich gibt es gewaltige Unterschiede. Auch sind, für das digitale Auflegen, optimierte Tonabnehmersysteme erhältlich, was nach meiner Erfahrung nicht zwingend Not tut. Ein Ortofon Pro S arbeitet beim Übertragen eines Timecodes nicht schlechter als das weit kostenintensivere Ortofon Digitrack. Auswahlkriterien für ein System sollten ein sphärischer Nadelschliff und eine möglichst hohe Ausgangsleistung sein. Ob das System nun bis 22kHz überträgt ist, im Fall der reinen DVS-Nutzung, nicht so wichtig, da nur der enge Timecode-Frequenzbereich abgetastet wird. So man auch seine alten Vinylschätze in MP3s wandeln will, empfiehlt sich ein System, welches nur dafür genutzt wird. Hier ist eine Nadel mit elliptischem Schliff und großem Frequenzbereich zu empfehlen.
Bei einigen CD-Playern hört man immer mal wieder, dass das Timecodesignal nicht richtig übertragen wird. Hier solltet Ihr, um auf “Nummer Sicher” zu gehen, zuvor Erkundigungen einholen, ob es da bei Eurer angepeilten Kombination Probleme geben kann.

Beim Auflegen mit einem digitalen Vinylsystem kommt der Sound zwar vom Rechner, wird aber, wie bei normalen Platten, erst am DJ-Mixer zusammengeführt. Auch hier gilt: alles geht. Ob 2-Battlemixer, 4-Kanal-Clubmixer oder 6-Kanal-Rackmixer … its up to you.

Grundlagen Computer
Mac oder Windows
Kommen wir zum eigentlichen Herzstück – dem Rechner. In den meisten Fällen wird das ein Notebook sein. Apple oder Dose, MacOS oder Windows, auch hier entscheidet Eure Vorliebe bzw. der Geldbeutel. Die Systemvoraussetzungen aktueller Notebooks sollten allemal reichen, um ein DVS an den Start zu bekommen. Aber es gibt andere Kleinigkeiten, die einem Stress machen können. Achtet (um Euch ein eventuelle auftretendes Brummen zu ersparen) darauf, dass das Notebooknetzteil einen Stecker ohne Erdung ( Eurostecker) hat. Wählt, wenn möglich, eine schnelle Festplatte und entscheidet Euch gegen Shared Memory Grafik. Genügend USB-Ports sind immer vorteilhaft, wohingegen lange Akkulaufzeit oder ein großes Display bei einem Clubeinsatz eher sekundär sind. Tipps zur Optimierung von Betriebssystemen gibt es im Internet, sich damit zu befassen ist durchaus lohnend. Über allem steht eine Grundregel: Man sollte den Rechner möglichst nur für den Zweck „DVS“ nutzen!

Die Grundzutaten wären also geklärt, der Rest findet sich im Lieferumfang des jeweiligen Programms. Traktor Scratch, Serato und Torq werden mit einer speziellen Soundkarte ausgeliefert und da diese als eine Art Dongle (Kopierschutz) wirkt, arbeitet die Software auch nur mit diesen Interfaces. Ausnahmen sind lediglich einige zertifizierte Geräte (Mixer oder Controller), zu denen dann ein Upgrade angeboten wird. Lediglich Mixvibes verfolgt ein etwas anderes Prinzip. Dieses Programm kann mit jeder (ASIO) Soundkarte genutzt werden, es ist aber anzuraten, die im Bundle angebotene U46DJ zu nutzen. Auch beim ebenfalls mitgelieferten Timecodevinyl (oder CD) setzt jeder Hersteller auf ein eigenes Signal. Serato mit dem preiswerteren Torq Vinyl zu betreiben wird ebenso wenig funktionieren, wie den vom Esel gefallenen Traktor (nicht Scratch!) mit einem TS-Timecode und einer beliebigen Soundkarte zum Laufen zu bringen. Das ist auch gut so!

Zwischendurch ein Exkurs in Sachen Audiofiles. Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, sagt der Volksmund. Und er hat damit Recht. Man sollte immer die Gesamtheit seiner “Produktionsstrecke” im Auge haben. Neben dem Mixer und der PA spielt hier besonders die Qualität der verwendeten MP3 eine Rolle. Die meísten Downloadshops bieten ihre Ware in den drei Stufen 192kbps MP3, 320kbps MP3 oder 1144kbps Wav an und es ist unbedingt zu raten, 320er MP3s den Vorzug zu geben. In Zeiten billigen Speicherplatzes wäre auch Wav ein Gedanke wert. Allerdings gibt es hier keinen Tag zur Informationsspeicherung.
Vorsicht ist auch bei DRM-geschützten Files geboten, wie sie in manchen Downloadshops erhältlich sind. Die meisten Programme spielen diese Dateien nicht ab.

Sofern man selbst MP3s erstellt, sollte man eine konstante 320er Bitrate (CBR) nutzen. Die variable Bitrate (VBR) ist zwar platzsparender, führt aber wohl auch mal zu Problemen im Zusammenhang mit DVS. Als Encoder (das Programm zur Umwandlung in MP3) geniesst  Lame einen guten Ruf. Ein weiterführender Grundkurs zum Thema findet sich  hier.

Traktor Scratch (TS)
Traktor Scratch
Wie eingangs schon bemerkt haben die Berliner von NATIVE INSTRUMENTS nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung des DVS Urvaters FINAL SCRATCH. Nach dem 2006 erfolgten Split von STANTON, die den Scratch Amp beisteuerten, gingen NATIVE ihren Weg und komplettierten das System mit einer eigenen Hardware. Heraus kam TRAKTOR SCRATCH, im Prinzip der legitime Nachfolger von FINAL SCRATCH, was Native aber irgendwie nicht richtig vermitteln konnte oder wollte. Audio8
Im Lieferumfang von TS ( Preis 579 Euro) findet sich, neben der Software, je zwei Timecodevinyl/CD und den cleveren Multicorekabeln (*1), die USB-Soundkarte Audio8DJ. Nach meiner Meinung handelt es sich hier um das beste und leistungsfähigste Interface der hier vorgestellten Systeme. Selbstverständlich ist es für die Anwendung mit TS optimiert. Ein Einsatz der TS-Software mit Timecodesteuerung ist nur bei angeschlossener Audio8 möglich (*2). In der Umkehrung eignet sich die Soundkarte aber bestens, um sie mit sonstiger Audiosoftware (Ableton, Cubase, Traktor 3 etc) zu nutzen. Die Features sprechen da für sich: Zur Verfügung stehen je vier Stereo-In und Stereo-Out (Chinch), sowohl ein regelbarer Mikrofoneingang (XLR), als ein regelbarer Kopfhörerausgang (Klinke). Letzterer ist identisch mit dem Cinchausgang 7/8. Im Gegensatz zu den Interfaces der Mitbewerber bietet durch MIDI-Buchsen die Möglichkeit z.B. Controller direkt anzuschließen.
Kabel
(*1) Die Multicorekabel verbinden die Komponenten des Systems. Zum einen wird das Signal vom Plattenspieler aufgesplittet. So geht es einmal durch die Audio8 an den Rechner, zum anderen an den Phonoeingang des Mixers. Dies ist für den Fall, dass man normale Schallplatten einsetzen möchte. Auf der Gegenseite wird ein, in der Software abgespielter Track von der Audio8 zum Line-In des Mixers geleitet. In der Mitte sind die Kabel mit speziellen, XLR-ähnlichen Steckern versehen. In der Praxis erweißt sich das als vorteilhaft, wenn man sein System schnell an- oder abstecken möchte. Sofern der Club schon in eine Kabelhälfte (als Mixersegment im Handel erhältlich) investiert hat, braucht man nur noch die andere Hälfte mit einem Handgriff anschließen und spart sich den Umsteckstress am Mixer.

(*2) Traktor Scratch und Audio8 sind Voraussetzung um mit Timecode arbeiten zu können. Ausnahmen sind so genannte  „certified“ Geräte, Mixer mit integriertem Audiointerface. Sofern die Hersteller einen Deal mit Native haben, kann man ein Upgradekit zulegen und TS ohne Audio8 einsetzen. Traktor Scratch kann ohne angeschlossene Hardware (Audio8) gestartet werden. Somit kann man zB über die interne Soundkarte des Rechners seine Playlisten sortieren oder ein Set vorbereiten.
Kabel
Bei der Software punktet Traktor Scratch mit einer, für meine Begriffe, übersichtlichen Oberfläche. Wer, wie ich, eine gewisse Symmetrie braucht, wird sie hier finden. Der Funktionsumfang ist mit Cue Punkten, Loops und Effekten recht üppig. Besonderheit ist eine integrierte Anbindung zu Beatport. Wünschen würde ich mir noch eine Coveransicht, sowie farbige Waveforms, wirkliche Kritikpunkte habe ich keine. Man sollte aber, sofern man mit TS liebäugelt, die Systemressourcen seines Rechners den Anforderungen anpassen. TS ist sehr speicherintensiv. Für 99 Euro besteht die Möglichkeit Traktor3.3 zu erwerben. Hier lassen sich dann vier Decks einsetzen und mit Vinyl steuern. Voraussetzung ist der Besitz von Traktor Scratch und Traktor 3. Gerade Anfänger verwechseln hier gern was und denken mit Traktor 3 und zwei Timecodevinyl haben sie ein schlitzohriges Schnäppchen gemacht.

Die Timecodevinyl gibt es bei Traktor Scratch nur im traditionellen schwarz. Die weiteren Daten: Gewicht 120 Gramm, eines Seite 17 Minuten, die andere 12 Minuten. Jede Plattenseite läuft auf 33RPM (kann aber bei Bedarf softwareseitig auf 45 RPM geändert werden) und verfügt über eine sogenannte “Scrollzone”, mit der man ”mouselos” durch die Playlist der Software pflügen und Tracks laden kann.   

Wer mehr zu Traktor Scratch wissen möchte, lese meinen  Test oder besuche die informative  Seite des Herstellers.
Unterstützte Dateiformate: MP3, WAV, AIFF, Audio-CD, FLAC, OGG Vorbis, non-DRM WMA, AAC. DRM-geschütztes Material wird nicht wiedergegeben! 
Betriebssysteme: Windows XP oder Vista, Mac OSX ab 10.4.8

Rane Serato Scratch Live (SSL)
Serato Scratch Live
Ähnlich wie bei Final Scratch, zu dem SSL eine frühe Alternative war, kooperiert hier ein Software- (Serato) und ein Hardwarehersteller (Rane). SSL stieß recht früh auf den frischen DVS-Markt und überzeugte von Anfang an mit einem stabilen System. Nachdem Final Scratch das Zeitliche gesegnet hatte, nutzte Serato die Lücke und steht heute für viele als Inbegriff des digitalen Auflegens. Großer Pluspunkt sind die legendäre (und teilweise mythisch verklärte) Stabilität, sowie die geringen Systemanforderungen.
Serato Scratch Live
Das USB-Interface SL1 bietet nicht die Anzahl von Anschlußmöglichkeiten wie die Audio8DJ von Native. Man beschränkt sich, wie auch bei der Software, auf das Wesentliche und fährt gut damit. Wo bei Traktor Scratch das Signal vom Plattenspieler gesplittet wurde, wird es hier durch die SL1-Box geschliffen. Sprich: Das Kabel vom Tuntable geht an die Box und über einen Thru-Ausgang von dieser an den Phono-In des Mixers (oder an eine weitere SL1 Box). Wie bei TS kommt das Signal vom Rechner über den Line-Out der Box an den Line-In des Mixers und kann da bearbeitet werden. Sonst gibt es nur noch einen regelbaren Mikrofoneingang. Kein MIDI, kein Kopfhöreranschluß. So man die, ab Version 1.8 in Serato verfügbaren, MIDI-Funktionen nutzen möchte, muss man auf einen MIDI-USB Adapter bzw. gleich einen Controller mit USB-Anschluß zurückgreifen. Wie die Audio8 kann auch Seratos Interface mit sonstiger Audio- und Producingsoftware eingesetzt werden.
Serato Scratch Live
Mit der aktuellen Version 1.8 bekam SSL einige neue Funktionen. So können nun Cue-Punkte, Loops und dergleichen per MIDI angesteuert werden. Ein Off-Line Player ermöglicht das Vorhören, ohne angeschlossene Hardware, was bei früheren Versionen noch notwendig war. Im Vergleich zu Traktor Scratch verzichtet SSL auf Effekte, verfügt aber als einziges, der aktuellen Programme, über eine Coveransicht. Vorhanden sind (wie bei allen anderen Programmen auch) Features wie Key Lock, Loops oder Cuepunkte. Sowas zählt mittlerweile zu den Grundfunktionen und diese sind weitgehend deckungsgleich, weshalb ich, an dieser Stelle, auf eine Detailaufzählung verzichte.
Folgende Dateitypen werden unterstützt: MP3, OGG Vorbis, AIFF, AAC, WAV. DRM-geschütztes Material wird nicht wiedergegeben! 
Das Programm läuft unter Windows XP (32 Bit!), Vista und Mac OSX ab 10.3.

Das Timecodevinyl beinhaltet auf Seite A 10 Minuten Timecodesignal, sowie eine Scrollfunktion, auf Seite B gibt es 15 Minuten Timecodesignal. Besonderheit: Unter Verwendung der Minutenmarker auf dem Vinyl lassen sich die Cue-Punkte ansteuern. Das Vinyl ist „normal“ schwarz, in limitierten Farbtönen (blau, grün, rot), transparent und sogar (selten) als 7“ erhältlich.

Zu SSL gibt es ein  Video-Plugin, für dessen Nutzung allerdings Ranes TTM57SL Mixer Voraussetzung ist. Für Besitzer eines Apfels besteht die Möglichkeit den Rechner mit praktischen  Shortcut-Tastaturauflagen zu schützen.

 Mehr Informationen.  Preis 595 Euro.

M-Audio Torq Conectiv
Torq Conectiv
Lange Zeit bewegte sich der Preis für ein DVS im hohen, dreistelligen Bereich. Die erste, wirklich ernstzunehmende Alternative war M-Audios Torq. Zuvor gab es zwar einige taschengeldfreundlichere Softwarelösungen, aber keine kompletten Systeme.
Conectiv
Das Interface Conectiv unterscheidet sich nicht nur durch sein Kunststoffgehäuse von den Mitbewerbern. Auch das Prinzip, wie das Signal zwischen analog und digital umgeschalten wird, ist ein anderes. Das Durchschleifen bzw. Aufsplitten wird im Gerät vollzogen. Es sind also, außer zweimal In und zweimal Out, keine weiteren Kabel notwendig. Der Wechsel zwischen dem Sound vom Rechner und dem einer analogen Platte erfolgt, bei Bedarf, über zwei große Drehknöpfe am Conectiv. Das ist gewöhnungsbedürftig, hat aber den theoretischen Vorteil, dass man zwei Tracks vom Rechner mit zwei Tracks von Platte mischen könnte. Logischerweise lassen sich erstere dann nicht mehr mit Timecode steuern, da an deren Platz ja nun die normale Platte liegt. Das Interface wird über USB mit Spannung versorgt. Es bietet noch einen Mikrofoneingang und einen Kopfhörerausgang mit Cue/Split. Am Funktionsumfang wurde also nicht gespart.
Torq
Diese Aussage gilt auch für die Software. Mit Features wie Sampler, internem Mixer, VST-Einbindung und Rewirefähigkeit liegt Torq sogar vor den anderen Programmen. Effekte, Loops, Cue-Punkte sind selbstverständlich und trotzdem nutze ich ein anderes System. Warum? Zum einen finde ich die Softwareobefläche eine optische Herausforderung. Zum anderen setze ich im Clubeinsatz auf ein wertig verarbeitetes Interface. Subjektive Kritikpunkte, objektiv betrachtet bietet Torq für  265 Euro ein unschlagbares Preis- Leistungsverhältnis. Nach meiner Erfahrung läuft das Programm wirklich plug`n play, selbst auf alten, vermüllten Rechnern. In letzter Zeit wurde aber ein  Phänomen publik, bei welchem Torq einfriert. Das betrifft nur einen Bruchteil der User, wäre auch kein Problem, wenn ein Update Hilfe bringen würde. Die Updatepolitik ist aber verbesserungswürdig. So werden verfügbare zurückgezogen, angekündigte nicht gebracht, etc. Schade, da M-Audio hier im Begriff ist einen gut aufgebauten Ruf zu verspielen.

Die Control-Vinyl gibt es seit kurzem auch transparent und farbig. Der Grundausstattung liegen zwei schwarze Scheiben bei. Die Spielzeit liegt bei jeweils 15 Minuten, das Gewicht bei 120 Gramm. Einen Trackanwahl über Vinyl ist nicht möglich.

 Details zum Programm.  Torq im Test bei Salection.

Mixvibes DVS Pack MK2
Mixvibes
Mixvibes kann auf einiges an Erfahrungen zurückblicken. Bereits seit mehreren Jahren bereichern die Franzosen den DVS-Markt, jedoch erst seit kurzem mit dem eigenen U46DJ Interface, als „Bündel“, wie sie mit charmantem Akzent sagen würden. “DVS Pack MK2 „ nennt sich dieses, da muss man etwas aufpassen, bei Mixvibes gibt es etliche Versionen und Varianten. Dazu kommt, im Vergleich zu den anderen drei besprochenen Systemen, die Fähigkeit, dass die Software mit jeder Soundkarte laufen könnte. Was in der Praxis aber seine Tücken hat, weshalb diese Betrachtung nur Komplettsysteme einschließt.
U46DJ
Das Audiointerface U46DJ ist keine Eigenentwicklung von Mixvibes. Vielmehr handelt es sich dabei um das namens- und baugleiche Gerät von ESI (welches so aber nicht mehr im Handel erhältlich ist). In abgespeckter Version, ohne Phonopreamps, führt z.B. auch Thomann diese Soundkarte als U46SE. Der kompakte Metalkasten verfügt über jede Menge Ein- und Ausgänge. Neben Line-, Phono-, Mikro- und Kopfhörer gibt es sogar einen Hi-Z (Instrumenten-) Anschluss. bei der U46DJ wird wieder einen anderer Ansatz umgesetzt, um das Signal vom Turntable so zu legen, dass man noch analoge Vinyl abspielen kann. Die Lösung bei Mixvibes: Ein Bypass, welcher in der Software aktiviert wird.
So man den Berichten in diversen Foren glauben schenkt, sorgten früher die Treiber dieser Soundkarte gern mal für Probleme. Im Zusammenhang mit der aktuellen (Mixvibes)Version wurde so etwas aber noch nicht offenbar.
Mixvibes
Die frische Programmversion 7 stellt beim Featureumfang, ähnlich wie Torq, die teueren Systeme SSL und TS in den Schatten. Effekte, VST-Einbindung, 16 Pad Sampler … alles da. Zum  Mixvibes DJ Team gehören etliche (französische) DMC-Champions, was beweist, dass es nicht immer SSL sein muss. Es zeigt aber auch, dass Mixvibes vor allem im Heimatland punktet. In Deutschland hat man ein durchwachsenes Standing, auch geriet Mixvibes mit dem Release von Torq etwas ins Abseits, versucht aber mit der aktuellen Version wieder Boden gutzumachen.

Wer auf vier Decks und/oder Videomixing Wert legt, der sollte zur Version MK2Pro greifen.

Die Timecode erhält man sowohl in tranparent/farbigem oder schwarzem Farbton. Das Vinyl wiegt etwas über 120 Gramm. Neben der Version V2 gibt es eine Version V2B, mit Trackselektor und Minutenmarkern. Zur Musikmesse 2008 wurden auch einige 7“ Timecode in Umlauf gebracht.

Der Preis für das komplette DVS Pack MK2 liegt bei  250 Euro. Mehr Informationen zu den Programmversionen und jede Menge Videos finden sich auf der  Seite von Mixvibes. .

Welches System ist nun das richtige für mich?
Ein Frage, deren Beantwortung von Euren Ansprüchen, dem geplanten Einsatzgebiet und dem Budget abhängt. In den Grundfunktionen, sowie im Vinylfeeling sind alle hier besprochenen DVS ähnlich. Bei allen lässt sich eine Timecode-CD anstelle des Vinyl einsetzen. Features wie Cue-Punkte, Lopps oder MIDI-Fähigkeit sind mittlerweile bei jedem System zu finden. SSL verzichtet auf Effekte, wäre daher vielleicht nicht die erste Wahl, für DJs, die ihr Set mit Effekten aufwerten wollen. Torq tut sich schwer beim Erstellen von Playlisten und der Integration von iTuneslisten, hat dafür aber eine Sampler, der wiederum Traktor Scratch fehlt.

Ihr seht also, Vorteile vs Nachteile bringt wenig. Ein Blick in die Geldbörse und die Frage „Bedroom oder Resident?“ hilft vielleicht eher. Die Qual der Wahl habt Ihr. Ich kann für mich nur sagen: Ich nutze Traktor Scratch und fahre gut damit. Ich könnte mir auch SSL vorstellen, aber zum Auswahlzeitpunkt hatte SSL keine MIDI-Fähigkeit. Die war mir wichtig, da ich die Loops und Effekte per Controller steuern wollte. Aber: Ich bin regelmäßig unterwegs, verdiene den ein oder anderen Cent mit Auflegen, daher amortisiert sich so eine Anschaffung recht schnell. Obendrein nutze ich die Audio8DJ mit Ableton.
Wer keine Effekte benötigt oder wer ein älteren Rechner einsetzt, für den ist u.U. SSL die bessere Wahl. Hip Hop DJs scheinen generell eher SSL zugeneigt. Was da Mythos, Werbung, tatsächlicher Vorteil oder Lemmingverhalten ist, bleibt offen. Wessen Sparbüchse keine 600 Euro hergibt oder wer nur zuhause bzw. im privaten Rahmen auflegen will, der sollte Torq oder Mixvibes eine Chance geben. Ein teures DVS macht keinen guten DJ! Wichtig ist, dass Ihr mit dem Programm klarkommt, dass Euch die Optik liegt und dass die Funktionen Euren Ansprüchen genügen.

Fortsetzung folgt